Wissenschaftler untersuchen Lärmauswirkungen auf Wale und Robben

Schwerpunktheft zum Meeresnaturschutz erschienen: Überfischung hat negative Auswirkungen auf Lebensraumtypen und Arten

(ddp direct) Die Vielfalt naturschutzbezogener Themen und Aufgaben im marinen Bereich macht das neue Schwerpunktheft der Fachzeitschrift „Natur und Landschaft“ deutlich. Wissenschaftler beschreiben darin etwa die neuesten Erkenntnisse über den Einfluss von Rammgeräuschen auf das Gehör von Schweinswalen und Robben. Der Lärm entsteht bei der Gründung von Offshore-Windenergieanlagen. In den Untersuchungen wurden grundlegende Erkenntnisse zum Hörvermögen dieser Meeressäugetiere gewonnen. Erstmalig konnte ein akustischer Belastungswert für Schweinswale ermittelt und in die Genehmigungsverfahren aufgenommen werden. In der Fachveröffentlichung werden neben diesen Ergebnissen auch Schlussfolgerungen zur Vermeidung und Minimierung akustischer Belastungen dargestellt.

Die zwölf Einzelbeiträge des Schwerpunktheftes geben Einblicke in aktuelle Entwicklungen des Meeresnaturschutzes, stellen wichtige aktuelle Forschungsergebnisse vor und verdeutlichen, wie diese in die Naturschutzpraxis Eingang finden können. „Unsere Meere, und gerade auch die deutsche AWZ, die Ausschließliche Wirtschaftszone, unterliegen einer zunehmenden Nutzung: Neben der Fischerei insbesondere der Ausbau der Offshore-Windenergie, aber auch Rohstoffabbau, Kabelverlegungen und vieles mehr. Angesichts der zunehmenden anthropogenen Belastung unserer Meere haben Ansätze zu deren Vermeidung und Verringerung einen besonderen Stellenwert, wie dies auch die weiteren Beiträgen des Themenheftes deutlich machen“, sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.

Die deutschen Meeresgebiete von Nord- und Ostsee unterliegen einem starken Fischereidruck. Die Konsequenzen sind neben der Überfischung zahlreicher kommerziell genutzter Fischbestände erhebliche negative Auswirkungen auf die Lebensraumtypen und Arten, die gemäß FFH- und Vogelschutzrichtlinie einen besonderen Schutz genießen, so einer der Autoren. In marinen Schutzgebieten, wie den Natura 2000–Gebieten, bestehen aber nun gute Möglichkeiten, räumliche oder zeitliche Schutzmaßnahmen umzusetzen. Auch erscheinen ein grundlegendes Umdenken und eine Reform der Europäischen Fischereipolitik zur Etablierung eines langfristig nachhaltigen ökosystembasierten Konzepts für die europäische Fischerei unerlässlich. Neue rechtliche Grundlagen wie die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie sollten und können hierbei genutzt werden, um langfristig eine nachhaltigere Zukunft für Natur und Fischerei zu sichern.

Meeresschutzgebiete bieten Rückzugs- und Regenerationsräume für die marine Lebensvielfalt. Sie sind ein wichtiges Instrument, um internationale Verpflichtungen und Anforderungen des Biodiversitätsschutzes zu erfüllen. Erstmalig wurde jetzt in einem der Beiträge über Meeresschutzgebietsnetzwerke eine zusammenfassende Übersicht über die Natura 2000-Gebietskulisse in deutschen Meeresgewässern vorgelegt. Neben Daten zu Flächengrößen und Schutzgebietsstatus werden die wesentlichen Schutzgüter der Gebiete angegeben. Diese umfangreiche Liste beinhaltet 32 Natura 2000-Gebiete in den Küstengewässern und der AWZ der Nordsee und 72 Gebiete in den Küstengewässern und der AWZ der Ostsee. Die Gesamtfläche, die Deutschland zum Schutz der marinen Biodiversität ausgewiesen hat, wurden für die deutsche Nordsee mit 17.967 km² (rund 43 % der deutschen Meeresfläche) und 7.940 km² für die deutsche Ostsee (etwa 51 % der deutschen Meeresfläche) berechnet. Damit leistet Deutschland einen großen Beitrag für die marinen Schutzgebietsnetzwerke Natura 2000, des OSPAR-HELCOM-Meeresbereiches und zur Erfüllung des 2012-Zieles zum weltweiten Schutzgebietsnetz.

Das Themenheft Meeresnaturschutz richtet sich an ein breites Publikum aus Wissenschaft, Forschung und Lehre, behördlichen Naturschutz und Politik ebenso wie an meeresinteressierte Naturschützerinnen und Naturschützer.

Bezug:
Einzelexemplare können beim Verlag W. Kohlhammer bestellt werden.

Quelle: themen portal

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